Bereitet die Schule heute noch angemessen auf das Leben vor?

„Da läuft etwas ganz schief“. Gemeint sind die Schulen in Deutschland. Der Erziehungswissenschaftler Volker Ladenthin beklagt in einem Aufsatz die Defizite der Abiturientinnen und Abiturienten, die sie heute an die Universitäten mitbringen (V. Ladenthin: Da läuft etwas ganz schief; Forschung und Lehre; 6.8.2018).

Nicht nur an Orthografiekenntnissen und Sicherheit in der Interpunktion mangele es, auch Kompetenzen wie Selbständigkeit, Eigenverantwortung und Urteilsfähigkeit seien kaum noch vorhanden. Damit erfülle das Gymnasium seine wesentliche Aufgabe nicht mehr, nämlich junge Menschen studierfähig zu machen.

Auf eine akademische Ausbildung vorzubereiten ist allerdings nur eine Aufgabe von Schulen, insbesondere der Gymnasien. Einen höheren Stellenwert sollte jedoch deren Aufgabe haben, Schülerinnen und Schüler allgemein auf ein Leben nach der Schule angemessen vorzubereiten: „Die Schule soll dem jungen Menschen zu der Fähigkeit verhelfen, in einer ständig sich wandelnden Welt ein erfülltes Leben zu führen“, heißt es dazu im Schleswig-Holsteinischen Schulgesetz (§ 4 Abs. 4).

Unbestritten gehört die Vermittlung sogenannter Kulturtechniken zur Basisaufgabe der Schulen. Sie schaffen die Voraussetzungen für eine individuelle Bildung, womit aber nicht nur die Vermittlung von Wissen gemeint sein kann. Obwohl in Zeiten allgemeiner Verfügbarkeit von Wissen deren Besitz eine immer geringere Rolle spielt, hat die Vermittlung abprüfbaren Wissens innerhalb formaler Lernprozesse in deutschen Schulen immer noch eine große Bedeutung.

Club of Rome Schule: Lernwerft Kiel

Als Club of Rome Schule (www.lernwerft.de) stehen wir gerade in Zeiten starker gesellschaftlicher Transformationsprozesse vor der Frage, welche Kompetenzen junge Menschen heute für die Bewältigung dieser Herausforderungen brauchen?
Wir wissen, dass Kompetenzen in der Schule nicht innerhalb formaler, sondern in non-formalen und informellen Lernprozesse erworben werden. Wir gehen zwar davon aus, dass non-formales und informelles Lernen auch im Kontext formalisierter, institutioneller Lernangebote stattfindet (s. a, Laur- Ernst, U. (2001): Lernen besser nutzen). Innerhalb solcher Lernangebote bleibt aber meist unklar, welchen Anteil non-formales oder informelles Lernen jeweils am individuellen Kompetenzerwerb haben. Ein an einem bestimmten Kompetenzkanon orientierter Lernprozess ist so nicht möglich.

Wir wollen ein Kompetenzcurriculum erstellen, das wichtige Zukunftskompetenzen beschreibt (z. B. Future Skills der OECD) und den Prozess des kompetenzentwickelnden Lernens in der schulischen Bildung stärken. Zu diesem Zweck sollen mit Hilfe einer digitalen Lernplattform non-formale und informelle Lernprozesse systematisch generiert und untersucht werden. Der Nachweis so erworbener Kompetenzen ist allerdings schwierig, entwickeln sie sich doch aus „natürlichen“ Lebenssituationen, außerhalb künstlich pädagogischer Lernarrangements. Darum entwickeln wir für deren Erfassung neue Instrumente.

Aufbauend auf dem DQR (Deutscher Qualifikationsrahmen) wollen wir ein digitales Kompetenzportfolio für Schülerinnen und Schüler erstellen. Lernergebnisse und der gesamte Prozess des Kompetenzerwerbs werden erfasst, transparent dargestellt und dokumentiert. Ein Bewertungssystem beurteilt die durch non-formales und informelles Lernen erworbenen Kompetenzen im Hinblick auf Erfolg bzw. Misserfolg. Der gesamte Prozess soll wissenschaftlich begleitet, dokumentiert und evaluiert werden.

Albert Benning Geschäftsführer Lernwerft
Club of Rome Schule Kiel